Pflaster.

Ich habe seit Monaten nicht mehr auf sein Profil geguckt. Habe teilweise bewusst und unbewusst immer einen großen Bogen darum gemacht.

Heute aber musste ich auf der Arbeit im sozialen Netzwerk etwas überprüfen und da stand sein Name. Bei der ersten Suche konnte ich noch widerstehen, beim zweiten Mal nicht.

Den EX im Internet zu suchen ist ja immer so ein bisschen wie Pflaster abziehen um zu gucken, ob es noch blutet. Und wie zieht man Pflaster am besten ab? Richtig. Mit Schwung – also einfach draufklicken. Und dann noch ein bisschen genauer hingucken alias drücken, ob es nicht doch noch ein bisschen blutet.

Aber es blutet nicht mehr. Es ist ok. Auf dem neuen Profilbild sieht man das glückliche Pärchen. Sein Hemd sieht furchtbar aus, weiß mit schwarzer Knopfleiste und schwarzen Dreiecken an den Kragenenden. Ich freue mich einen kurzen Moment – auch wenn das ganz mies fürs Karma ist -, das ich nicht mit ihm ausgehen musste, während er dieses Hemd trägt. Und die Haare sind für meinen Geschmack auch zu lang. Und zu ihr fällt mir irgendwie auch nicht viel Nettes ein.

Aber halt: es muss mir nicht gefallen, dieses Hemd und auch die langen Haare nicht. Ich muss das nicht gut finden. Und sie muss mir auch nicht gefallen. Ich darf das Bild Scheiße finden und wenn es mir die Sache leichter macht, dann darf ich es gleich doppelt.

Ich bin ihm nichts mehr schuldig, keine Gedanken, keine Gefühle, keinen Tränen. Er hat mich einfach nie gewollt, nicht so, wie ich es wollte. Ich habe gelernt daraus. Ich bin immer noch Single und davon ehrlicherweise ziemlich genervt, aber ich kann es gerade nicht ändern und muss es hinnehmen wie es ist.

Und bei genauerem Hinsehen, in mich reinhören, noch ein bisschen fester drücken, stelle ich fest: Es blutet nicht mehr, auch nicht mit so fest Drücken, dass es weh tut. Die Wunde ist zu. Ein bisschen wund noch, ja,  und ein bisschen taub an den Wundrändern, so ganz ohne Gefühl. Aber ich glaube, das wird auch so bleiben. Aber ich kann die Veränderung dieses Mal spüren, dieses Loslassen und Weitergehen.

 

Es ist ok.

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Ohne Bezug.

Der nachfolgende Text ist der erste Versuch, eine von mir geschriebene Geschichte zu veröffentlichen. Sie hat keinen Bezug zur Realität, ist frei erfunden, keine Person existiert und es ist eigentlich alles nicht echt. Tatsächlich ist das wirklich die erste Geschichte von mir, bei der ich ernsthaft auf Veröffentlichen drücke. Aber ich will weiter schreiben, der Traum wird einfach immer größer und ist vielleicht jetzt bereit, ihn zu erfüllen. Ich will nicht mehr warten.

 

Plötzlich sitzt Du wieder neben mir, es soll mal wieder so sein. Komisch, aber wahr. Es passiert einfach. Auch vorhin am Strand bei diesem Abendspaziergang unserer Gruppe. Plötzlich warst Du da und bist geblieben. Es war dunkel und ich irgendwie war ich mir Deine Gesellschaft mit einem Schlag übermäßig bewusst.

Und als wir uns eben zusammengesetzt haben, war – ist das noch Zufall oder will mit das Schicksal hier irgendwas sagen? – nur noch der Stuhl neben Dir frei. Ich hatte keine Wahl. Aber es ist auch überhaupt kein Problem, schließlich arbeiten wir täglich zusammen, Du als mein Vorgesetzter. Wir sehen uns 5 Tage in der Woche und verstehen uns gut. Und so sitzen wir da einfach nur. In geselliger Runde, das Fondue steht in der Mitte des Tisches, es blubbert vor sich hin. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich. Wir lachen viel, scherzen über Gemüse, das seinen Freischwimmer macht und essen all die Leckereien.

Aber mit einem Mal bin ich ganz weit weg. Wie vom Schlag getroffen. Ich gucke Dich nicht mal an, ich sehe einfach vor meinem geistigen Auge diesen Film ablaufen, als würde nur noch meine Hülle am Tisch sitzen und essen, der Rest von mir guckt von oben auf die Szene. Ich bin tatsächlich gar nicht mehr anwesend. Alles andere verstummt, ich bekomme um mich rum nichts mehr mit.

Ich sehe Deine Hand, sie reicht mir in der Realität eigentlich gerade das Brot. In diesem Film in meinem Kopf allerdings – da streicht sie mir gerade die Haare hinters Ohr, dorthin, wo ich sie immer trage. Ich sehe jede Pore auf Deiner Haut, höre das Ticken Deiner Uhr an Deinem Handgelenk, rieche Dein leicht herbes Parfüm. Ich gucke Dir direkt in die Augen, die einen Blick haben, den ich noch nie gesehen habe. Eigentlich passiert gar nichts, außer dass Du mir die Haare hinters Ohr schiebst. Aber Du nimmst die Hand auch nicht weg. Du lässt sie einfach da liegen. Ich rieche Deine Haut und fühle die zarte Berührung an meinem Hals.

Und dann sitze ich wieder am Tisch und esse weiter. Bin wieder ganz da. Hole mein Gemüse aus der Brühe und lege Fleisch nach. Ich höre den Gesprächen der anderen Kollegen zu, lächel und mache eine witzige Bemerkung. Niemand hat was gemerkt, außer Dir. Du bist auch still. Du guckst mich nicht an, isst weiter und unterhälst Dich mit dem Kollegen auf der anderen Seite über ein Restaurant in Hamburg. Ich bin mir Deiner Nähe plötzlich so übermäßig bewusst. Du bist mit einem Schlag so viel präsenter als vorher.

Bei der nächsten Gelegenheit entschuldige ich mich und gehe in die Toilette. Ich atme tief durch, einmal, zweimal, dreimal. Ich gucke in den Spiegel und erkenne mich eigentlich nicht wieder. Die Frau da im Spiegel – das bin nicht ich. Ich hab keine Gefühle für Dich. Du bist verheiratet. Du bist mein Vorgesetzter. Noch mehr Klischee geht eigentlich nicht. Ich hab mir doch geschworen, dass das niemals wieder passiert. Aber es ist ja auch nichts passiert. Wir sitzen doch nur nebeneinander und sind vorhin zufällig nebeneinander hergelaufen.

Als ich aus dem Waschraum komme, höre ich Gelächter, alle sind fröhlich. Ich überlege kurz, mich mit Unwohlsein zu  entschuldigen, aber das würde wieder Fragen aufwerfen, die ich nicht beantworten möchte. Und es ist ja auch nichts. Eigentlich.

Wieder am Tisch schenkst Du mir ungefragt Wasser nach, mit einer vollkommenen Selbstverständlichkeit, stellst nicht in Frage, warum ich heute keinen Alkohol trinke, als Einzige am Tisch. Du bist unendlich aufmerksam. Das Essen nimmt seinen Lauf, das Dessert wird gereicht. Die Stimmung wird lauter, ausgelassener, fröhlicher. Du nimmst Dein Glas, stehst auf, setzt Dich an einen anderen Tisch. Ich bemühe mich, nicht erleichert auzuatmen. Aber es ist so befreiend. Was ist bloß los?

Leider hat der Magnet durch Deinen Tischwechsel nicht an Macht verloren. Es zieht uns immer wieder zueinander hin. Du sitzt in meinem Rücken, Du stehst neben mir. Ich versuche, Dir auszuweichen, aber es will einfach nicht funktionieren.  Ich spüre immer noch Deine Hand auf meiner Haut, obwohl sie dort ja nie gewesen ist. Streiche ständig mein Haar hinters Ohr.

Ich muss hier raus, ich brauche frische Luft.

Ich schiebe mich durch die Kollegen, hole meine Jacke. Es ist kalt draußen, es friert. Der Winter kommt und hier am Meer weht dazu ein eisiger Wind. Ich stoße die Tür auf und lasse die kalte Luft in meine Lunge. Ich möchte nach Hause, ich muss weg aus Deiner Nähe. Das darf nicht sein, ich will nicht, dass das passiert. Ich ziehe meine Jacke enger um mich und gehe ein Stück Richtung Meer. Es ist sternenklar, sobald ich das Licht des Hotels hinter mir lasse, werden es immer mehr und mehr. Was für eine wunderschöne, klare und kalte Winternaccht.

Und dann höre ich Dich. Eigentlich höre ich nur Schritte hinter mir, aber ich weiß, dass Du es bist, es ist pechschwarze Nacht, ich kann Dich nicht sehen und wegen des Windes hier draußen auch nicht riechen. Ich weiß es trotzdem. Mein Selbsterhaltungstrieb hilft mir, mich nicht umzudrehen. Ich bleibe einfach stehen und starre in den Sternenhimmel. Ich bewege mich nicht, vielleicht gehst Du ja einfach wieder. Ich kann Dich trotz des Windes atmen hören.

Und plötzlich ist da Deine Hand. An meinem Hals. Streicht mein Haar zurück. Genau so wie vorhin in meinem Kopf.

„Das wollte ich schon den ganzen Abend machen.“ Du klingst so schüchtern, so hab ich Dich noch nie gehört. „Hast Du das vorhin beim Essen gemerkt? Da war plötzlich dieser Gedanke, aber ich konnte dem nicht nachgeben.“

Ich bin so überrascht, meine Stimme ist verschwunden. Ich gucke Dir nur in die Augen, die ich trotz der Dunkelheit sehen kann. Ich brauche nichts zu sagen, denn die nächsten Worte kommen wieder von Dir.

„Du …“

 

 

Was mir Freude macht.

In dieser Woche hat mein Kollege Urlaub und ich erfreue mich an meiner „Lieblingsaufgabe“: Kundenmails.

Denn was da so an wunderbaren Nachrichten kommt, ist einfach nur bereichernd. Also eigentlich ist es nur gut für meinen Blutdruck – denn es gilt einer meiner Lieblingssprüche: Wer lesen kann ist klar im Vorteil.

Und ganz besonders mag ich Mails, die weder Anrede noch Grußformel enthalten, geschweige denn in Form von ganzen Sätzen geschrieben ankommen.

Eben gerade „Gratis Versand?“. Mehr nicht. Nein, das ist leider kein Scherz, sondern passiert eigentlich täglich.

Ich mache mir dann den Spaß und antworte höchst korrekt und in deutlich längerer Form als eigentlich nötig, ich schreibe dann sehr ausführlich und decke mit meiner Antwort gleich alle Eventualitäten ab.

Natürlich ist jetzt nicht jeder Mensch rhetorisch auf dem höchsten Niveau, aber das braucht es meines Erachtens auch nicht. Ein „Hallo“ oder ein „Danke“ oder einfach ein ganzer Satz mit Satzzeichen reicht. Mich stört das einfach wirklich. Ich finde es unhöflich. Grundsätzlich möchte ich einfach nur mit einem „Nein“ antworten, aber ich schätze, das fände mein Chef jetzt nicht so besonders witzig.

Ich werd jetzt mal weiter Mails beantworten, ich bin schon ganz gespannt, was da noch alles so auf mich zukommt.

 

 

Plopp.

Auf einer Rechnung steht:

„Die Bezahlung wurde bei Abschluss der Bestellung vorgenommen. Bitte überweisen Sie den Rechnungsbetrag nicht mehr auf unser Konto.“ In Fettdruck, mittig, direkt unter dem Artikel. Also eigentlich nicht zu überseden. Aber was passiert?

Plopp.

Zahlungseingang auf dem Konto. Als Überweisung.

Ich frage mich, warum die Menschheit nicht schon lange ausgestorben ist, offensichtlich zum Glück ist Atmen ein Reflex, sonst sähe das oftmals ganz düster aus. Wer lesen kann, ist einfach oftmals klar im Vorteil, das ist ja nicht nur so ein abgedroschener Satz, nein, es ist ja einfach wahr. Und teilweise sind das keine kleinen Beträge, sondern mehrere hundert Euro, die nicht mal ich einfach so in der Tasche hätte – von doppelt ausgeben ganz zu schweigen.

Und es passiert nicht nur alle Jubeljahre mal, sondern in Spitzenzeiten wie jetzt in der Vorweihnachtszeit eigentlich täglich.

Ich geh dann mal arbeiten, die Unwissenden sterben ja nicht aus.

 

Ein Jahr ohne Dich.

Heute vor genau einem Jahr hast Du mich verlassen. Nach etwas mehr als 3 Monaten war ich nicht mehr wert, als eine WhatsApp. Nach dem sich der erste Schock gelegt hat, haben wir versucht, so etwas wie eine Freundschaft aufzubauen. Aber das hat einfach nicht funktioniert. So etwas kann nicht funktionieren, wenn der eine mehr will – deutlich mehr will als der andere.

Ich habe viel an Dich gedacht in den letzten 365 Tagen. Mehr als genug und wahrscheinlich auch mehr als gut für mich war. Es verging eigentlich kein Tag ohne Gedanken an Dich oder sie waren so vereinzelt übers Jahr verteilt, dass ich mich nicht daran erinnern kann.

Es gab schlimme Tage im letzten Jahr, sehr schlimme. Zum Beispiel der, als ich herausfand, dass Du eine neue Freundin hast. Das war genau an dem Tag, als ich in Hamburg war, mit meinem Kind für eine Nacht. Ich lag abends im Hotelbett und stöberte vorm Schlafen durch soziale Netzwerke. Und da sprang mich dieser Post einfach an. Inzwischen ziert ein Pärchenselfie Dein Profilbild.

Du hast dieses „uns“ immer anders gesehen als ich. Bei all dem Denken in den letzten Monaten und auch durch Gespräche über Dich ist mir klar geworden, dass ich für Dich nie mehr war, als ein netter Zeitvertreib, eine Gelegenheit, mal nicht allein zu sein. Ich war für Dich nie Deine Freundin, Deine Partnerin. So hast Du mich nie gesehen.

Aber ich habe Dich so gesehen und auch so gewollt. Dass meine Menschenkenntnis schlecht ist, wusste ich vorher auch schon, aber dass sie so hundsmiserabel ist, das wusste ich nicht . Ich bin schlichtweg reingefallen auf Dich. Und inzwischen weiß ich das auch. Aber ich fühle es nicht. Mein Verstand hat das alles registriert, aber mein Herz weigert sich schlicht und ergreifend das zu verstehen. Es stampft bockig mit dem Fuß auf und sagt, ich will aber.

Ich habe wirklich versucht, einen neuen Partner zu finden. Aber es geht nicht. Ich suche Dich. Mit Dir war es einfach so leicht, auf Augenhöhe, es passte einfach. Zumindest für mich. Und ich möchte es eigentlich genauso haben. Nur eben mit jemandem, der das genauso sieht wie ich und nicht jemandem wie Dir. Der mich verleugnet, versteckt, nicht einbezieht, dieses „wir“ nicht zulässt.

In den letzten Wochen war ich immer öfter in Hamburg, und unbewusst halte ich immer Ausschau nach Dir. Obwohl ich immer zu Zeiten da bin, in denen es unwahrscheinlich ist, dass Du es auch bist. Und Hamburg ist ja auch groß, der Zufall wäre riesig, wenn wir uns einfach so über den Weg laufen würden. Trotzdem. Und dann erwische ich mich bei dem Gedanken, was ich tun würde, wenn Du tatsächlich auftauchen würdest. Wahrscheinlich würde ich mich mit einem Hechtsprung ins Hafenbecken retten, immer noch die bessere Variante, als Dir zu begegnen.

Ich will, dass Du mich loslässt, aber mir ist klar, dass ich loslassen muss. Und das bekomme ich noch nicht hin. Ich muss dieses im Moment vorherschende Gefühl aushalten. Einfach so. Ich muss da durch. Und morgen wenn dieser bescheuerte Jahrestag vorbei ist, dann ist das vielleicht leichter.  Vielleicht ist das aber auch eine Konstruktion aus Hoffnung. Dabei könnte ich Dich nie zurücknehmen, nie. Nicht nach diesem Jahr.

Ich denke sehr oft, ich müsste doch jetzt langsam mal durch sein damit. Es müsste doch langsam mal gut sein, ich könnte doch jetzt auch mal fertig sein und vorwärts gehen. Andere sind in einem Jahr nach der Trennung schon neu vergeben, schwanger oder gar verheiratet. Ich sitz immer noch allein auf der Couch und denk an Dich. Aber ich bin eben auch anders… Ich denke und fühle anders. Ich zweifle viel zu oft, 1000 Mal zu oft. Ich zweifle vor allem an mir selbst, an der Person, die ich bin  und meiner Fähigkeit zu lieben. All diese dummen Gedanken habe ich schon Millionen Mal gedacht.

Du hast mir so sehr weh getan. Ich hätte einfach gern eine riesengroße Tube mit Heilsalbe, in der ich mich wälzen könnte und in einer Woche ist alles wieder gut. Aber ich ahne, dass das nicht funktioniert. Also muss ich das wohl oder übel einfach aushalten und jedes Hoffnungs-Samenkorn hegen und pflegen, bis vielleicht endlich einmal eines durchkommt, wächst und Früchte trägt – auch ohne grünen Daumen, denn eigentlich ist meiner eher braun.

Verdammt, es ist so schwer.

Endlich Ex.

Lieber H.,

uns verbindet eine jahrelange Beziehung, die eigentlich alles überdauert hat, was wir so erlebt haben. Kennengelernt habe ich Dich an meinem 18. Geburtstag, also vor über 18 Jahren. Du standest vor der Haustür meiner Eltern mit einem Kaktus von der Tankstelle in der Hand und wolltest Deine Freundin abholen, die zur damaligen Zeit eine sehr enge, wenn nicht sogar meine beste Freudin war. Als Geschenk brachtest Du mir diesen Kaktus mit. Ich werde das nie vergessen.

Es dauerte dann etwas über ein halbes Jahr bis zu unserem ersten Kuss, es war das magische Silvester 1999/2000. Wir feierten damals mit einer größeren Runde bei Deiner Mutter. In einem Nebenzimmer passierte es, aus einer harmlosen Umarmung war in Sekunden eine Affäre geworden. Denn meine Freundin war immer noch an Deiner Seite.

Dieser Kuss hat mein Leben verändert. Er war so wunderschön, das ich mich quasi sofort in Dich verliebt habe. Er war einzigartig und auch wenn sofort das schlechte Gewissen gegenüber Deiner/Meiner Freundin kam, ich konnte nicht anders. Ich musste es wieder tun. In dieser Nacht schlichen wir uns mehrfach davon, um weiter zu küssen und schliefen nachts im Wohnzimmer Deiner Mutter auf ISO-Matte nebeneinander ein – händchenhaltend. Mehr ist damals nicht passiert.

Aber unsere Affäre ging weiter, ich kam nicht los von Dir. Hier einen Kuss, da einen Abend, eine Nacht, eine halbe Stunde bei Dir auf der Arbeit. Wir schafften es immer, uns kurz davon zu stehlen. Du warst der Mann, dem ich meine Unschuld schenkte, dem ich immer und immer wieder alles verzieh. Du warst mein persönlicher Mr. Big, vielleicht die Liebe meines Lebens.

Ich könnte 1000 Geschichten über uns erzählen, vielleicht schreib ich irgendwann ein Buch darüber. Unsere gemeinsame Vergangenheit ist … unbeschreiblich. In jeglicher Hinsicht.

Im Grunde waren wir wie ein Paar, nur waren wir eben keines. Ich war immer nur Deine Affäre . Wirklich zusammen waren wir nie. In all den 18 Jahren sprach immer etwas dagegen. Du hast mir sehr oft das Herz gebrochen, aber ich kam nie los von Dir. Unsere Beziehung veränderte sich immer mehr. Zuletzt waren da einfach nur ein paar Nachrichten, ein bisschen Schmeichelei fürs Ego, ein paar Nettigkeiten. Gesehen haben wir uns zuletzt vor etwas mehr als 2 Jahren, eine gestohlene halbe Stunde irgendwie zusammengekratzt, keine Ahnung, was Du Deiner Freundin erzählt hast, wo Du bist.

Unsere letzte gemeinsame Nacht ist fast 6 Jahre her. Ich war damals ganz frisch getrennt und Du hast meinem geschundenen Ego und mir sehr gut getan. Am letzten Samstag hätten wir eine Chance auf eine gemeinsame Nacht gehabt. Ich habe lange gezögert, mich dann aber doch dafür entschieden. Gekniffen hast schlussendlich Du, es sei ja auch nicht „unsere letzte Chance“. Abends kamen dann aber doch wieder Nachrichten von Dir und wir haben uns böse gestritten. Und noch am Abend traf ich meine eigene Entscheidung.

Ich will nicht mehr Deine Affäre sein. Ich will aber auch nicht Deine Freundin sein, denn in untreue Männer möchte ich mich nicht mehr verlieben. Ich möchte einzig und allein Deine Ex sein. Irgendwann hast Du aufgehört, mich zu verstehen und hast damit aufgehört, mich zu nehmen, wie ich bin. Und damit kann ich nicht mehr leben. Ich will keine versteckte Frau mehr sein, die frisch rasiert und in Dessous gehüllt darauf warten muss, dass Du Dich frei machen kannst. Ich möchte das alles nicht mehr. Ich will nur noch weitergehen.

Ich werde diese gemeinsame Zeit mit Dir, ob wir nun tatsächlich zusammen waren oder über das Handy den Kontakt gehalten haben, nie vergessen. Du warst für mich immer etwas Besonderes, ich habe Dich immer gegen all meine Freundinnen (die hassten Dich alle) verteidigt, habe zu Dir gehalten. Ein Stück von mir, ja, das wird Dich immer lieben.

Aber es ist jetzt vorbei. Ohne Dir etwas davon zu sagen, habe ich am Samstag Abend mit Dir Schluss gemacht. Ich habe Dich blockiert auf allen Kanälen und es geht mir gut damit. Dies Samstag Nacht war unsere letzte Chance und wir haben sie verstreichen lassen. Ich habe abgeschlossen und den Schlüssel im Meer versenkt. Es gibt für mich kein Zurück mehr. Ich will mich nicht verstecken oder mich bloß für ein paar Stunden auf dem Bett räkeln. Es bringt mich einfach nicht weiter, es gibt mir nichts mehr. Ich fühle mich nur noch dreckig und habe ein schlechtes Gewissen Deiner Freundin gegenüber, obwohl ich sie nicht mal kenne.

Ich will nicht mehr warten, auch wenn ich auf das Wunder schon lange nicht mehr gehofft habe. Ich will nicht mehr die versteckte Frau sein, ich will raus ins Leben und vielleicht irgendwann einen Partner finden, der alles das und noch viel mehr kann, was Du nie auch nur für eine Sekunde konntest.

Du bist jetzt einfach mein Ex. Ich wünsch Dir alles Gute, leb Dein Leben nach Deinen Vorstellungen und werd glücklich, was auch immer das für Dich bedeutet.

 

Ich werde Dich immer lieben, zumindest ein bisschen.

 

Deine E.

Vom Wehtun.

Worte tun weh. Das ist eine schlicht und ergreifende Tatsache.

Manchmal öffnet man den Mund und sagt etwas, das jemand anderen verletzt.

Gestern Abend erwiderte mein eigener Vater zum Beispiel auf mein „Schönen Abend noch!“ ein „Euch auch!“. Es ist jetzt nicht so, dass ich nicht seit fast 6 Jahren allein bin. Und mein Kind macht derzeit Ferien bei ihm. Er weiß also, dass ich allein bin. Und dann tut ein „Euch auch“ einfach mal weh.

Das ist einfach das letzte Beispiel einer kilometerlangen Kette. Mich kann man mit Worten ziemlich gut verletzten. Und andere auch.

Einfache Äußerungen können zu messerscharfen Klingen werden, die einem im Tiefsten treffen. Nicht immer werden Dinge bewusst verletztend gesagt, manchmal denkt man auch einfach nicht darüber nach und macht den Mund auf. Was dann in einem unbedachten Moment rauskommt, verletzt andere Menschen einfach.

Nicht nur ausgesprochene Worte können treffen, sondern auch geschrieben, diese meistens sogar noch härter, weil es ohne Mimik und Tonfall noch schwieriger ist, die Aussage zu verstehen.

Worte tun weh. Zumindest manchmal.

Kein Nachteil.

Mein Opa pflegte zu seinen Lebzeiten stets zu sagen:

Kein Nachteil ist so groß, als dass nicht auch ein kleiner Vorteil dabei wäre.

Und je älter ich werde, desto mehr finde ich: er hat Recht. Auch wenn es nicht immer leicht ist, den Vorteil in einem Nachteil zu finden, wenn man versucht, aus jedem Stolperstein, den das Leben nunmal zwangsläufig zu bieten hat, auch nur das winzigste Portiönchen Vorteil herauszuziehen, dann ist hilft diese Erkenntnis meistens schon, mit der Situation besser umgehen zu können. Natürlich gibt es Nachteile, da ist kein Vorteil mit dabei, gar keine Frage. Es gibt einfach zu viele Grausamkeiten.

Neulich unterhielt ich mich zum Beispiel mit einer anderen Mutter, verheiratet, 2 Kinder.

Sie: „Ich beneide Dich nicht, Du musst immer alles allein machen. Alleinerziehend sein ist doch echt hart.“

Ich: „Danke. Aber weißt Du, ich mach das ja schon ne Weile ganz allein, wir haben uns gut eingespielt.“

Sie: „Das finde ich bewunderswert, trotzdem hast Du eben die ganze Verantwortung, nie Pause, keiner, der Dir mal was abnimmt. All die Nachteile…“

Ich: „Du weißt Du, dafür habe ich eben in regelmäßigen Abstände kindfreie Wochenenden, wo das Kind von Freitag Mittag bis Sonntag Abend beim Papa ist und ich tun und lassen kann, was ich will!“

Ich blickte in ein verdutztes Gesicht und musste einen Moment auf eine Antwort warten.

Sie: „Das hätte ich auch gern mal, ein kindfreies Wochenende…“

Jetzt kann man natürlich anfangen, darüber zu diskuttieren, wie frei meine freien Wochenenden denn tatsächlich sind. Denn alleinerziehend mit Kind und 2 Jobs bleibt immer irgendwas liegen, es ist einfach nicht schaffbar. Ich nutze meine freien Wochenenden häufig dafür, eben die Sachen, die liegengeblieben sind, abzuarbeiten, den Haushalt wieder auf Grund zu setzen und Dinge, die im Alltag zu viel Platz einnehmen, nachzuholen. Aber gerade dank der jüngsten Vergangenheit habe ich lernen müssen, eben auch wieder bewusst mehr für mich zu tun.

Mit einem guten Buch einfach im Bett zu bleiben. Rauszugehen an die frische Luft. Oder einen DVD-Nachmittag im Schlafanzug. Mir etwas Gutes zu kochen, etwas das  das Kind nie anrühren würde. Und einmal im Jahr fahre ich in die Hauptstadt meines Herzens, meine Lieblingsstadt. Ganz allein, ich erzähl dem Kind nicht mal davon. Dieses Wochenende gehört nur mir.

Mein Akku braucht Ladezeit und gerade jetzt nach der Umstellung in unserem Umgangsalltag ist der auch noch ein bisschen leerer als vorher. Ich versuche eigentlich immer, einen Tag zum Aufarbeiten zu nutzen und einen nur für mich. Das klappt bisher ganz gut. Ich versuche, die Zeit ohne Kind bewusst zu genießen. Denn ich weiß, dass ich das darf, ja sogar muss, wenn es mir gut gehen soll.

Klar, es ist kein Spaziergang, alleinerziehend zu sein. Aber für mich ist dieses klassische und leicht veraltete Familienbild Mutter, Vater, Kind einfach nach über 5 Jahren Alleinerziehenden-Dasein nicht mehr existent. Wo immer alle zusammen sind. Keine Pause zu haben. Mal ohne mein Kind zu sein, nur ich zu sein.

Kinder sind anstrengend. Ein Kind groß zu ziehen ist die größte Herausforderung, die ich in meinem bisherigen Leben bewältigen musste und ja immer noch muss.

Das mag jetzt wirklich egoistisch klingen, für mich ist es der Schlüssel zu mehr Entspanntheit: Mein Vorteil am Nachteil alleinerzeihend zu sein, sind meine kindfreien Wochenenden. Ohne größeren organisatorischen Aufwand einfach mal mehr als 48 Stunden ohne das dauerredende Kind, das permamente Aufmerksamkeit einfordert. Ohne Verpflichtungen, ohne um 6 Uhr aus dem Bett geschmissen zu werden. Ich liebe diese Wochenenden. Auch wenn ich putzen und die ungeliebte Steuererklärung machen muss.

Diese Wochenenden sind Luxus, mein Vorteil in diesem ganzen „Nachteil“.

 

 

Da haben wir den Salat.

Ach nein, das soll ja Kuchen sein. Oder irgendwas dazwischen.

Eben gerade hatte ich zu viel Zeit und scrollte ein wenig durch die Empfehlungen, die Instagram so für mich hatte (ich erinnere mich gerade daran, dass ich mal einen Post machen wollte, warum ich Instagram so mag … #imgeistenotiert). Und da stieß ich etwas weiter unten auf ein Bild von einem Kuchen.

Eines vorweg: Ich habe nichts gegen gesunde Ernährung, ich ernähre ich auch gesund, habe in der Vergangenheit selbst einen großen Gewichtsverlust geschafft und arbeite nach wie vor daran, noch weiter abzunehmen. Gesunde und ausgewogene Ernährung ist im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig. Richtig, jetzt kommt das große Aber.

Das kleine Bild, das da so als Vorschlag auftauchte sah in der kleinsten Größe aus wie Käsekuchen mit Mandarinen. Oder Pfirsichen. Mit Käsekuchen kriegt man mich IMMER, also patsch, draufgeklickt. Größer geworden sah das Bild schon etwas merkwürdig, aber immer noch ansprechend aus. Ich fing also an den Text zu lesen und kam dann ziemlich schnell nicht mehr weiter.

Denn der Käsekuchen war keiner. Zumindest kein richtiger, also für mich persönlich hatte das mit Kuchen überhaupt nichts mehr zu tun. Der Teig bestand aus „gut pürierten weißen Bohnen.“ Gepimpt mit Proteinpulver und flüssigen Aromen.

Entschuldigung, aber da hört es bei mir auf. Ganz ehrlich. Wenn ich ein Stück Kuchen will, dann ess ich ein Stück Kuchen. Ich hätte niemals über 30 kg abgenommen ohne Schokolade. Aber pürierte weiße Bohnen als Mehl-Ersatz. Das geht für mich eindeutig zu weit. Alles durch irgendwas ersetzen, um hier noch eine Kalorie und da noch ein Gramm Kohlenhydrate zu sparen. Das ist für mich einfach nur noch verrückt. Und ohne diese verschiedenen flüssigen Aromen würde das wahrscheinlich auch nur ein Bohnen-Liebhaber essen. Oder nicht mal der. Ich möchte das jedenfalls nicht mal probieren.

Die Kommentare hab ich nur noch kurz angelesen und mir dann ein Bild von einem Teller mit genial aussehender Bolognese angeguckt. Echte Sauce, so mit Fleisch und so.

Und jetzt hab ich Hunger.