Kampfmodus.

Da ist er wieder, der absolute Kampfmodus.

Ich durchlebe gerade eine Phase, in der ich alles schaffen will, alles allein machen will und alles hinbekommen will.

Haushalt, Arbeit, Kind zum Kindergeburtstag, Termin beim Lohnsteuerhilfeverein, Haushalt, Kind abholen, essen, Vorbereitung für den nächsten Tag, Arbeit. Das war nur der gestrige Tag und auch nur in Kurzfassung. Ich kämpfe einfach – denke nicht nach. Einfach machen. Eins nach dem anderen. Immer weiter. Und dann noch was oben drauf. Ich muss mich zwingen, auch mal ruhig sitzen zu bleiben. Pause zu machen.

Ich muss alles schaffen, ich kann nicht anders. Alles rauf auf den großen Haufen und machen.

Ich weiß genau, dass ich irgendwann als Rache dafür wieder ne Woche auf der Couch lande, aber was soll ich machen? Es macht sonst einfach keiner und das Leben steht ja nicht still. Bald sind Ferien und mein „Allein-Sein-Wohlfühl-Wochenende“ steht schon in den Startlöchern.

Ich bin voll im Kampfmodus, im Tunnel, gefangen zwischen Wollen und Müssen und Können, das Bermuda-Dreieck der Alleinerziehenden.

Und jetzt speichere ich diesen Beitrag und arbeite weiter. Immer weiter.

Kein Nachteil.

Mein Opa pflegte zu seinen Lebzeiten stets zu sagen:

Kein Nachteil ist so groß, als dass nicht auch ein kleiner Vorteil dabei wäre.

Und je älter ich werde, desto mehr finde ich: er hat Recht. Auch wenn es nicht immer leicht ist, den Vorteil in einem Nachteil zu finden, wenn man versucht, aus jedem Stolperstein, den das Leben nunmal zwangsläufig zu bieten hat, auch nur das winzigste Portiönchen Vorteil herauszuziehen, dann ist hilft diese Erkenntnis meistens schon, mit der Situation besser umgehen zu können. Natürlich gibt es Nachteile, da ist kein Vorteil mit dabei, gar keine Frage. Es gibt einfach zu viele Grausamkeiten.

Neulich unterhielt ich mich zum Beispiel mit einer anderen Mutter, verheiratet, 2 Kinder.

Sie: „Ich beneide Dich nicht, Du musst immer alles allein machen. Alleinerziehend sein ist doch echt hart.“

Ich: „Danke. Aber weißt Du, ich mach das ja schon ne Weile ganz allein, wir haben uns gut eingespielt.“

Sie: „Das finde ich bewunderswert, trotzdem hast Du eben die ganze Verantwortung, nie Pause, keiner, der Dir mal was abnimmt. All die Nachteile…“

Ich: „Du weißt Du, dafür habe ich eben in regelmäßigen Abstände kindfreie Wochenenden, wo das Kind von Freitag Mittag bis Sonntag Abend beim Papa ist und ich tun und lassen kann, was ich will!“

Ich blickte in ein verdutztes Gesicht und musste einen Moment auf eine Antwort warten.

Sie: „Das hätte ich auch gern mal, ein kindfreies Wochenende…“

Jetzt kann man natürlich anfangen, darüber zu diskuttieren, wie frei meine freien Wochenenden denn tatsächlich sind. Denn alleinerziehend mit Kind und 2 Jobs bleibt immer irgendwas liegen, es ist einfach nicht schaffbar. Ich nutze meine freien Wochenenden häufig dafür, eben die Sachen, die liegengeblieben sind, abzuarbeiten, den Haushalt wieder auf Grund zu setzen und Dinge, die im Alltag zu viel Platz einnehmen, nachzuholen. Aber gerade dank der jüngsten Vergangenheit habe ich lernen müssen, eben auch wieder bewusst mehr für mich zu tun.

Mit einem guten Buch einfach im Bett zu bleiben. Rauszugehen an die frische Luft. Oder einen DVD-Nachmittag im Schlafanzug. Mir etwas Gutes zu kochen, etwas das  das Kind nie anrühren würde. Und einmal im Jahr fahre ich in die Hauptstadt meines Herzens, meine Lieblingsstadt. Ganz allein, ich erzähl dem Kind nicht mal davon. Dieses Wochenende gehört nur mir.

Mein Akku braucht Ladezeit und gerade jetzt nach der Umstellung in unserem Umgangsalltag ist der auch noch ein bisschen leerer als vorher. Ich versuche eigentlich immer, einen Tag zum Aufarbeiten zu nutzen und einen nur für mich. Das klappt bisher ganz gut. Ich versuche, die Zeit ohne Kind bewusst zu genießen. Denn ich weiß, dass ich das darf, ja sogar muss, wenn es mir gut gehen soll.

Klar, es ist kein Spaziergang, alleinerziehend zu sein. Aber für mich ist dieses klassische und leicht veraltete Familienbild Mutter, Vater, Kind einfach nach über 5 Jahren Alleinerziehenden-Dasein nicht mehr existent. Wo immer alle zusammen sind. Keine Pause zu haben. Mal ohne mein Kind zu sein, nur ich zu sein.

Kinder sind anstrengend. Ein Kind groß zu ziehen ist die größte Herausforderung, die ich in meinem bisherigen Leben bewältigen musste und ja immer noch muss.

Das mag jetzt wirklich egoistisch klingen, für mich ist es der Schlüssel zu mehr Entspanntheit: Mein Vorteil am Nachteil alleinerzeihend zu sein, sind meine kindfreien Wochenenden. Ohne größeren organisatorischen Aufwand einfach mal mehr als 48 Stunden ohne das dauerredende Kind, das permamente Aufmerksamkeit einfordert. Ohne Verpflichtungen, ohne um 6 Uhr aus dem Bett geschmissen zu werden. Ich liebe diese Wochenenden. Auch wenn ich putzen und die ungeliebte Steuererklärung machen muss.

Diese Wochenenden sind Luxus, mein Vorteil in diesem ganzen „Nachteil“.

 

 

Da haben wir den Salat.

Ach nein, das soll ja Kuchen sein. Oder irgendwas dazwischen.

Eben gerade hatte ich zu viel Zeit und scrollte ein wenig durch die Empfehlungen, die Instagram so für mich hatte (ich erinnere mich gerade daran, dass ich mal einen Post machen wollte, warum ich Instagram so mag … #imgeistenotiert). Und da stieß ich etwas weiter unten auf ein Bild von einem Kuchen.

Eines vorweg: Ich habe nichts gegen gesunde Ernährung, ich ernähre ich auch gesund, habe in der Vergangenheit selbst einen großen Gewichtsverlust geschafft und arbeite nach wie vor daran, noch weiter abzunehmen. Gesunde und ausgewogene Ernährung ist im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig. Richtig, jetzt kommt das große Aber.

Das kleine Bild, das da so als Vorschlag auftauchte sah in der kleinsten Größe aus wie Käsekuchen mit Mandarinen. Oder Pfirsichen. Mit Käsekuchen kriegt man mich IMMER, also patsch, draufgeklickt. Größer geworden sah das Bild schon etwas merkwürdig, aber immer noch ansprechend aus. Ich fing also an den Text zu lesen und kam dann ziemlich schnell nicht mehr weiter.

Denn der Käsekuchen war keiner. Zumindest kein richtiger, also für mich persönlich hatte das mit Kuchen überhaupt nichts mehr zu tun. Der Teig bestand aus „gut pürierten weißen Bohnen.“ Gepimpt mit Proteinpulver und flüssigen Aromen.

Entschuldigung, aber da hört es bei mir auf. Ganz ehrlich. Wenn ich ein Stück Kuchen will, dann ess ich ein Stück Kuchen. Ich hätte niemals über 30 kg abgenommen ohne Schokolade. Aber pürierte weiße Bohnen als Mehl-Ersatz. Das geht für mich eindeutig zu weit. Alles durch irgendwas ersetzen, um hier noch eine Kalorie und da noch ein Gramm Kohlenhydrate zu sparen. Das ist für mich einfach nur noch verrückt. Und ohne diese verschiedenen flüssigen Aromen würde das wahrscheinlich auch nur ein Bohnen-Liebhaber essen. Oder nicht mal der. Ich möchte das jedenfalls nicht mal probieren.

Die Kommentare hab ich nur noch kurz angelesen und mir dann ein Bild von einem Teller mit genial aussehender Bolognese angeguckt. Echte Sauce, so mit Fleisch und so.

Und jetzt hab ich Hunger.

 

Parken wie Stevie W.

Gestern brachte ich das Kind zum Schwimmtraining. Die Parkplätze vor dem Schwimmbad sind nur in sehr begrenzter Anzahl vorhanden, die Muttis, die ihre Brut bringen, aber in deutlich größerer Anzahl vorhanden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Parkplätze auch von Spaziergängern genutzt werden und ziemlich doof angeordnet sind. Parken am Schwimmbad ist also eh schon eine Herausforderung.

Und nun stand da also gestern ein dickes Auto, so eine richtige Rentner-Kiste, bei dem ich automatisch denke: Da haben sie aber wieder einem alten Menschen ein dickes Auto verkauft. Und gestern brauchte also so ein Auto ein bisschen mehr Parkraum als für ihn vorgesehen.

Es brauchte nicht einen oder zwei, auch nicht drei, sondern genau 4 Parkplätze. Einfach mitten raufgestellt. War wohl Platz. Da wächst mir während meiner drei Dutzend Ehrenrunden, die ich beim Abholen des Kindes drehen musste, ein zweiter Kopf. Sowas macht mich so wütend, diese Rücksichtslosigkeit, diese „mir-doch-egal“-Haltung.

„Strich-Mitte“ hat sich als Parkstil einfach nicht durchgesetzt. Und wird es hoffentlich auch nicht. Und „Auto-quer-über-4-Striche-stellen“ auch nicht.

Leider hat es gestern sehr reichlich geregnet, sonst hätte ich einen Zettel mit den Worten „Wenn Sie nur noch parken können wie Stevie Wonder, dann sollten Sie besser gar nicht mehr Auto fahren“ hinter den Scheibenwischer geklemmt. Der Fahrer oder die Fahrerin kam auch leider nicht zurück während ich gewartet hab, sonst hätte ich was dazu gesagt.

Ich weiß, es sind lachhafte Probleme, im Hinblick auch die Weltpolitik, aber dieser Blog dreht sich um meinen kleinen Kosmos. Und solange ich kein Abgeordneten-Gehalt verdiene, meckere ich über Renter mit dicken Autos, die ihren Wagen nicht parken, sondern einfach achtlos irgendwo hinstellen. Wenn man nicht mehr in der Lage ist, sein Fahrzeug richtig zu bedienen und zu parken, dann sollte man das mit dem Auto fahren einfach sein lassen.

Vielen Dank fürs Zuhören.

Gemischte Bratenplatte.

Letzten Samstag war ich auf eine Rubinhochzeit eingeladen. Auf dem Dorf.

Ich saß eigentlich den ganzen Tag da und überlegte mir, ob es real ist, ob es derartige Veranstaltungen tatsächlich noch gibt. Ob sowas wohl schon Vintage ist? So uncool, dass es schon wieder cool ist?

Begrüßungssekt und Orangensaft auf dem rutschfesten Biertablett. Ohne Schnick-Schnack. Dann Spargelcreme-Suppe als Vorspeise und rote Grütze mit Vanillesoße als Nachspeise. Dazwischen Salzkartoffeln, Kroketten aus der Friteuse, Gemüseplatte (Bohnen, Brokkoli, Blumenkohl und Erbsen & Wurzeln – nein, das heißt nicht Möhren!) und eben die gemischte Bratenplatte mit Schweinebraten und Rinderbraten und – Achtung Extravaganz – Putenbraten. Braune Bratensoße in der Metall-Sauciere.

Das Dorf schlug voll und ganz zu. Zum Kaffee dann Bienenstich und Buttercreme-Torte, begleitet wurde das ganze von ein bisschen liebloser Dekoration und unlustigen Spielen.

Irgendwie fühlte sich dieser ganze Tag an wie eine Zeitreise, vielleicht 40 Jahre zurück zum Hochzeitstag? Da war das ganze bestimmt wunderschön und vollkommen up to date. Damals gab es mich noch nicht. Vielleicht bin ich auch Voreingenommen, weil ich gar keine Lust hatte, mir ein Kleid anzuziehen und den ganzen Tag nett zu lächeln und weil das Jubelpaar meine Verwandten sind. Aber es war alles so lieblos. Auch wenn vielleicht kein großes Budget da war, was ich ja nun mehr als nachvollziehen kann. Aber ein bisschen geht doch immer!

Seit letzten Samstag kann ich diese gemischte Bratenplatte nicht vergessen. Es war einfach alles so lieblos und trostlos und wie früher. Und was ich im gleichen Atemzug als erschreckend empfand – alles fanden das normal. Das Dorf lebt. Alte Zeiten in 2017. Ich kann irgendwie nicht glauben, dass es so was tatsächlich noch gibt. Gegen rusitkal ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden, aber das war schon fast altertümlich. Wenn dann die Qualität des Essens gestimmt hätte …

Gemischte Bratenplatte wird es bei mir nie geben. Ich hab da jetzt wohl irgendwie ein Trauma.

 

 

Ich bin dann mal weg.

Alles gelöscht.

Alle Profile auf Single-Börsen-Seiten.

Das letzte Date war kein totaler Reinfall, wir verstehen uns sehr gut. Aber eben nur als Freunde. Da ist keinerlei Anziehungskraft vorhanden.

Ich will nicht mehr. Ich will weder suchen noch gefunden werden noch so vor mich hindümpeln.

Schlicht und ergreifend. All die miesen und sinnlosen Dates bedeuten für mich nur noch verlorene Lebenszeit, diese ständige Hoffen und gleichzeitige nervöse Bangen. Das geht für mich einfach nicht mehr in Ordnung.

Dann also allein. Ohne Partner.

Einzelkämpfer.

Ich werde lernen müssen, es zu akzeptieren, zumindest so lange, bis ich wieder die Kraft habe, daran etwas zu ändern.