Respektlos.

Am letzten Wochenende war ich zu einem Konzert in Hamburg. Ina Müller gab sich die Ehre und ich erfüllte mir einen Wunsch. Ich bin allein hingegangen, es fand sich erst nach dem Kauf der Karte jemand, der mitgegangen wäre. Aber allein auf Konzerte geh ich eigentlich sogar gern allein. Ich mach bei Live-Musik immer mein Ding, ich singe, ich klatsche und tanze, wie mir der Kopf steht. Ich rede während Konzerten auch nicht bzw. selten. Ich bin da einfach ganz bei mir. Live-Musik ist meine Form von Therapie, ich würd sogar gern noch öfter gehen.

Den Altersdurchschnitt am gestrigen Abend hab ich zwar ein bisschen nach unten verschoben, aber das war mir egal. Es war ein wunderschöner Abend, ich habe sehr viel gelacht, gesungen und ein Tränen verdrückt. Sie spielte „mein Lied“, darüber könnte ich beim nächsten Musik-Montag mal schreiben.

Was ich allerdings wirklich respektlos finde, sind einige andere Konzertbesucher. Für mich ein absolutes No-Go ist es zum Beispiel, erst meinen Platz zu suchen, wenn der Künstler (und ich meine nicht die Vorband, die gab es gestern gar nicht) schon auf der Bühne steht. Gestern ging es sogar 10 Minuten später los als geplant, aber es waren trotzdem noch etliche Besucher, die erst nach den ersten Tönen ihre Plätze gesucht haben.

Und dann gibt es da noch jene, die im letzten Drittel dann schon mal aufstehen, laut verkünden, wenn sie „jetzt gehen kommen wir noch ohne Stau vom Parkplatz“. Und sich dann an allen anderen in der Reihe vorbeidrängeln und nicht mal in Erwägung ziehen, dies leise und möglichst unauffällig zu machen, sondern einfach ab durch die Mitte. Und dann sind da jene, die vor der Zugabe gehen.

Das sind solche, die nahezu das komplette Konzert durchquatschen, nicht leise natürlich, sondern in normaler Lautstärke, die lachen und den Freuden zwei Reihen weiter vorn auch noch was zurufen. Und wenn man dann freundlich darum bittet, bitte leise zu sein, wird man meistens auch noch blöd angemacht. Wenn ich mich mit jemanden unterhalten will, dann geh ich was essen oder spazieren oder treffe mich zuhause. Aber ich gebe doch nicht viel Geld aus und quatsche dann fröhlich durch.

Ich kann das alles nicht nachvollziehen. Ich habe viel Geld für eine Konzertkarte bezahlt und möchte es in vollen Zügen genießen. Und ich finde es respektlos dem Künstler gegenüber, der da oben steht auf der Bühne und den Vorturner gibt und sich anstrengt, den Leuten einen schönen Abend zu bereiten.

Ich genieße dieses Erlebnis Live-Musik immer in vollen Zügen. Bin häufig sehr früh da, gucke, wie sich die Halle füllt. Und ich gehe immer erst, wenn das „große Licht“ wieder angeht.

Den anderen würden ich gern mal vors Schienbein treten.

Musik – Montag (2).

Ina Müller – eine meiner liebsten Sängerinnen, auch wenn ich sie lange nicht gehört habe. Ich hatte vor 1 1/2 Wochen ja das Glück, sie live erleben zu dürfen. Und seit dem ist sie wieder vermehrt in meiner Playlist.

Ich saß also so in der Arena, lauschte ihrem „Gesang und Gesabbel“, ich fands großartig. Ihre typisch norddeutsche Art ist mir extrem sympatisch und was sie so erzählte höchst amüsant. Gefühlt redet sie mehr als das sie singt, aber die Mischung war wirklich gut. Und dann aus dem Nichts höre ich die ersten Tage „meines“ Liedes. Ich fühlte mich für einen Moment wie mit kaltem Wasser übergossen, das Lied ist wirklich schon „alt“, ich kenne es schon seit Jahren. Ich hab das Lied ewig nicht gehört, wirklich, aber ich brauchte nur wenige Takte und wusste es. Gerechnet hab ich mit den verschiedensten Liedern der neusten CD, aber nicht mit einem Lied, das von 2006, also 11 Jahre alt ist.

Das Lied „Sowas passiert mir heut nicht mehr“ geht mir jedes Mal unter die Haut.

Gestern in Hamburg setzte ich den dringend notwendigen Schlussstrich unter die Beziehung zum EX. Er hatte mir morgens noch eine ganz doofe Nachricht geschickt und so hatte ich endlich den Mut, die Kraft und den Willen mich zu trennen. Ich geh nicht mehr zurück. Und Ina half mich dabei. Ich nehme es einfach als Zeichen für die richtige Entscheidung.

Dass ich nächtelang nicht schlafe
weil ich dich irgendwo gesehen hab
ich die Tage nicht mehr schaffe
ständig weine und zusammen klapp
weil ich die ganze Nacht lang da saß
damit ich deinen Anruf hör
wie ein Orkan im Wasserglas

Sowas passiert mit heut nicht mehr

(Text/Komponist: Ina Müller, Hardy Kayer, Frank Ramond)

Dieses Lied passte schon mal wirklich gut in mein Leben. Sie singt mir diesen Text direkt aus der Seele. Die Melodie, diese Intensität, diese Kraft, die sie in diesen Song legt – für mich wunderschön.

Gestern liefen mir die Tränen übers Gesicht. Und ich bin sehr dankbar, diesen Song live gehört zu haben, gerade an einem Tag wie gestern, wo ich um jedes Lächeln hart kämpfen musste.  Aber danach ging es mir wirklich besser. Ich weiß jetzt, dass sich was geändert hat, das ich endlich auf dem richtigen Weg bin. Das nicht bei jedem Like oder jeder Nachricht von ihm mein Herz Kapriolen schlägt.

So was passiert mir heut‘ nicht mehr.

Hoffentlich. Danke, Ina!

 

Auszeit.

Gestern nahm ich mir eine Auszeit. Das Kind verbringt das letzte reguläre Umgangswochenende beim Vater. Er bekommt jetzt eine andere Position und wird vorläufig nicht mehr so regelmäßig kommen. Tatsächlich habe ich bis August „nur“ noch 6 freie Wochenenden. Ich weiß, es ist jammern auf hohem Niveau, andere haben gar nicht frei. Aber trotzdem wird es hart, besonders, weil meine Kraft ja eh schon am Ende ist.

Gestern also nun das langersehnte Live-Konzert – sowas hab ich gebraucht. Der Tag begann auf einem Kindersachen-Flohmarkt. Direkt im Anschluss fuhr ich nach Hamburg, um dort den Tag zu verbringen und abends das Konzert zu besuchen. Das Wetter war traumhaft, die Jacke konnte ich direkt im Auto lassen, der Pulli reichte vollkommen aus. Ich lief fast 15 km durch die Stadt, in 5 Stunden, erkundete, machte mich vertraut. Denn im April steht ja unser Kurzurlaub in Hamburg an und ich wollte einfach noch ein bisschen sicherer werden.

Abends dann das Konzert – es war wunderbar. Sowas hab ich dringend gebraucht. Aber dazu schreib ich die nächsten Tage nochmal extra. Zuhause war ich gegen 1 Uhr nachts.

Also ein Tag komplette Auszeit für mich.

Heute hallt die Wirkung noch nach. Aber ich sehe einfach was hier liegen geblieben ist. Ich müsste dringend mal einen Frühjahrsputz machen, hier ist irgendwie alles so staubig. Aufräumen könnte ich auch mal wieder grundlich. Gearbeitet hab ich heute schon. Und ganz viel ignoriert.

Hier bleibt einfach so viel liegen, weil der Alltag irgendwie nochmal ne Spur stressiger geworden ist. Woran das liegt weiß ich nicht, vielleicht empfinde ich das auch nur so. Ich schreibe Listen um Listen um Listen. Und komme nie hinterher.

Ich kämpfe. Vor allem dagegen mir diesen Tag gestern nicht im Nachhinein wieder selbst zu versauen. Ich brauchte diesen Tag, sehr, mir war es hier einfach zu eng. Mal raus. Und ich hab endlich diesen Schlusspunkt gesetzt, der war so dringend notwendig, einen Abschluss gesucht und hoffentlich für jetzt und alle Ewigkeit gefunden.

Aber ich sehe eben auch, was ich hier ohne das Kind hätte schaffen können. Was ich hätte alle erledigen können von der stetig länger werdenden Liste. Dieser ewige Zwiespalt ist anstrengend.  Einen Weg da raus hab ich noch nicht gefunden.

Und so werd ich nun wieder eine neue Liste für die Woche schreiben. Noch 2 Wochen bis zum Urlaub …

135.

In 135 Tagen steige ich in ein Flugzeug und fliege für 1 Woche nach Italien. Das Kind nehme ich mit, wir besuchen Freunde.

In 135 Tagen werde ich in die Wärme fliegen, nach Süden. Dorthin wo garantiert die Sonne scheint, nicht wie hier nur vielleicht. In die Wärme, die ich dringend brauche für meine Seele.

Ich habe gebucht und freue mich so sehr. Nach langem Hin und Her klappt es nun doch. Auch wenn die Flugzeugen des Rückfluges nicht ideal sind, das klappt schon. Bei der Buchung saß ich heulend hier, unglaubig, dass es tatsächlich klappt.

Eine Woche Sommer, Sonne, ein Ort, an dem ich noch nie war. Eine Woche weg hier aus der Enge, dem Alltag und der Eintönigkeit. Immer, wenn ich nicht hier bin, kann ich freier atmen, darauf freu ich mich ganz besonders.

Dieses Jahr fahren wir dann also quasi zwei Mal in den Urlaub.

18 Tage bis Hamburg, 135 Tage bis Italien. Und Berlin zu meinem Geburtstag steht auch noch auf dem Plan.

Mir reichts.

Im nächsten Sommer, als erst im August 2018 (!) steht für das Kind ein Schulwechsel bevor. Mir graut es jetzt schon davor, war unser Schulstart an der Grundschule im Allgemeinen schon nicht besonders geglückt, steht ein neuer Start einfach unter keinem guten Stern.

Heute meinte eine Arbeitskollegin in einer Unterhaltung dann „Ja, dann gibt es dann ja ein neues Schlüsselkind.“ Im Moment ist es so, dass das Kind nach Schulschluss in den Hort geht, dort spielt und / oder Hausaufgaben macht und ich es nach Feierabend dort abhole. In der neuen Schule gibt es keine solche Betreuung mehr.

Kollegin: „Meine hatten ja beide schon mit 6 einen Schlüssel.“

Kollegin: „Du musst auch mal loslassen!“

Kollegin: „Dann muss das Kind hat allein nach Hause und dort auf Dich warten!“

Kollegin: „Du behütest das Kind zu sehr, es muss lernen, allein klar zu kommen!“

Und genau in dem Moment riss mein Geduldsfaden und ich wurde sehr deutlich, höflich zwar, aber eben bestimmend (am liebsten hätte ich ihr ein „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten“ entgegengeworfen. Denn: ohne klugscheißerisch zu sein: sie war nicht mal arbeiten zu der Zeit, ihre Kinder sind inzwischen beide Teenager, einer bereits in der Lehre und sie arbeitet immer noch weniger als ich – ich weiß nicht, ob sie sich darüber wirklich eine Meinung bilden kann).

Verdammte Axt, wenn das Kind im nächsten Jahr auf die neue Schule kommt, ist es gerade eben 10 Jahre alt, der Geburtstag ist nur wenige Wochen vorher. Größere Geschwister sind nicht vorhanden. Ich möchte einfach nicht, dass mein knapp 10-jähriges Kind tagsüber bis zu 5 (!) Stunden allein zuhause ist, weil ich arbeiten muss. Entschuldigung, das geht einfach nicht. Eine Stunde oder meinetwegen 1 1/2 Stunden sind für mich vollkommen ok, in Ausnahmefällen auch mal 2, aber da ist meine Schmerzgrenze eigentlich schon überschritten. Aber sich Mittags allein Essen zubereiten, allein Hausaufgaben machen und warten, dass Mama von der Arbeit kommt? Das kann ich nicht mit mir in Einklang bringen, nicht vereinbaren.

Mein Kind ist sicherlich manchmal etwas zu gut behütet, aber mir ist es wichtig, dass ich ihn beim Großwerden begleite. Ich erziehe zur Selbstständigkeit, natürlich hat er ein paar Aufgaben zuhause, natürlich muss er auch mal Dinge tun, die blöd sind. Aber es ist doch ein KIND! Ich bin ganz weit entfernt davon, eine perfekte Mutter zu sein, aber ich bin eine gute Mutter – und eine Mutter mit einem Hang zum schlechten Gewissen.

Ich weiß noch genau, das meine Mutter anfing zu arbeiten, da war ich etwas über 9 Jahre alt. Als ich anfing zu arbeiten, war das Kind 3 1/2. Seit dem sind wir allein und ich muss arbeiten, anders würde noch weniger gehen als ohnehin schon.

Wie ich die Problematik löse, weiß ich noch nicht. Darüber mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist, es sind noch 1 1/2 Jahre. Vielleicht passiert auch noch ein Quantensprung und das Kind schafft es locker ohne mich. Aber ich kenne mein Kind und ich bin mir sicher, dass das nicht lange wirklcih gut funktionieren würde. Aber warum soll ich mir denn jetzt schon den Kopf zerbrechen? Es gibt im Moment wichtigere Dinge, wie die Tatsache das bei dem Auto der Kofferraum mal wieder nicht aufgeht.

Ich las gestern im Sozialen Netzwerk einen Post ein Bloggerin, die eben auch sagte: Es ist meine Entscheidung, es ist mein Kind. Und ich weiß, was ich verantworten kann und was nicht. Jedes Kind ist anders, jede Mutter ist anders.

Ich will mich nicht mehr rechtfertigen, ich will einfach nicht mehr. Die Zeiten, in denen ich den Mund gehalten hab, sind vorbei. Ich machte meinen Standpunkt sehr deutlich, vor allem die Tatsache, dass das noch eine ganze Weile hin ist und bis dahin noch viel passieren kann. Ich will aber auch keine Erziehungsratschläge mehr annehmen, von niemandem. Ob er es eben hinbekommen hat oder nicht. Es ist doch meine Entscheidung.

Und darum hab ich ihr meine Meinung deutlich gesagt und bin nicht abgewichen davon. Warum auch? Ich versuche zur Abwechslung mal, mir selbst zu vertrauen. Ich habs doch bisher hinbekommen, warum sollte ich das nicht auch zukünftig?

 

Zum Heulen.

Heute hat mein Vater meine Mutter zum Weinen gebracht – und mich damit mal wieder stinksauer.

Meine Mutter wurde vor ein paar Wochen operiert und hat ein bisschen „Lagerkoller“. Also fragte ich sie, ob ich sie heute mit zum Sporttraining des Kindes nehmen soll. Sie käme mal raus, es ist schon dort, direkt am Wasser. Sie willigte ein. Als ich sie dann zur vereinbarten Zeit abgeholt hat, guckte sie mich total verweint an, rote Augen, rotzige Nase, das volle Programm.

Vor dem Kind hab ich nichts angesprochen, aber als wir dann allein waren. Mein Vater hatte heute Abend noch eine Veranstaltung, brauchte ein Krawatte und ein Hemd mit Kragen. Nun kann mein Vater aus verschiedenen Gründen die Arme nicht mehr wirklich so weit heben, dass er den Kragen richten kann, wenn er die Krawatte umgebunden hat. Dafür brauchte er meine Mutter.

Und weil die nun aber beschlossen hatte, mal allein ohne ihn vor die Tür zu gehen, hat er sie runtergemacht, gemotzt, gemault und war – um es freundlich zu formulieren – nicht besonders nett. Ich kenne das. Er wird einfach extrem verletztend.

Mein Vater hat meine Mutter zum Weinen gebracht, weil sie nicht zuhause sein würde, um ihm den Kragen zu richten. Nein, das denke ich mir nicht aus. Das entspricht der vollsten Wahrheit.

Wir haben uns dann auf dem Rückweg ordentlich abgehetzt, damit wir rechtzeitig wieder da waren, damit meine Mutter eben doch noch behilflich sein konnte.

In solchen Momenten wundere ich mich ein bisschen weniger darüber, warum ich eigentlich so verkorkst bin. Ich kann eigentlich gar nichts dafür. Und eigentlich bin ich auch nicht verkorkst, mein Vater ist es. Und meine Mutter auch, dass sie das alles mitmacht. Sie war die ganze Zeit bedrückt und kam auf dem Rückweg fast in Stress. Sie rutschte unruhig auf dem Beifahrersitz hin und her, obwohl wir gut in der Zeit waren. So schnell war ich noch nie zuhause, wir waren sogar 5 Minuten früher als abgesprochen da.

Ich räumte dann das Auto aus und als wir dann vom Auto zum Haus gingen, fuhr mein Vater weg. Ohne Krawatte. Keine Pointe.